Briefe – Erinnerungen von GK

Erinnerungen von GK
Anmerkungen: Hier haben wir Erinnerungen von GK zusammengetragen – an Reisen zum Beispiel und an einige von all jenen, die er so sehr geliebt hat.
1997 reiste Gerhard Klampäckel zusammen mit seiner Frau Maria endlich doch noch in die heimatliche Südsee – auf die Insel Samoa, wo er am 15. September 1919 geboren worden war… Künstlerisches Ergebnis dieser weiten Reise sind sieben großformatige Malereien – zu bewundern im Bethanien-Krankenhaus Chemnitz auf der Chirurgischen Station. Hier haben die Arbeiten, im Besitz von Gerdi Mehlich, der jüngsten Tochter von Gerhard Klampäckel, noch zu Lebzeiten des Künstlers seinem Wunsch gemäß ihren schönen Platz gefunden. Zu dieser kleinen „Ausstellung“ gehört auch der folgende kurze Samoa-Text, von GK 1997 zu seinen Bildern notiert:

„Die Reise nach Samoa in die ferne Südsee war eine weite Reise und der dreiwöchige Aufenthalt dort war spannend interessant. Kein Wunder – ein erstes Wiedersehen nach über sieben Jahrzehnten und dabei auf der Spurensuche nach dem Aufenthalt der Eltern während der Kolonialzeit (ehem. deutsche Kolonie).

Diese sieben Bilder hier habe ich nach meiner Rückkehr gemalt. Nach dem, was dort an wesentlichen visuellen und auch emotionalen Eindrücken auf mich wirkte. In der Hauptsache waren das die wunderbaren Inselbewohner, die Samoaner in ihrer natürlichen Freundlichkeit und auch ihrer natürlichen Schönheit. Wie sie ihren Alltag verbringen, wie sie wohnen und ihr Verhältnis zur ewig blühenden tropischen Insellandschaft. Vor allem aber zum Meer, das sie ja rings umgibt. Aus ihm holen sie den Fisch – es ist ihre Speisekammer. Zu verständlich, daß die guten Samoaner deshalb die Zugänge zu ihm – die Strände (die wir ja inzwischen fast weltweit als Touristen“eigentum“ zu nutzen gewohnt sind, usw.), als ihr Eigentum sehen und auch vom Fremden erwarten (es gibt ohnehin noch nicht allzuviele davon) daß er dies respektiert. So haben sie sich ihre Meeresufer untereinander in Familien- und Dorfgemeinschaften aufgeteilt. Und der verständnisvolle Fremde bittet sie um Erlaubnis evtl. In Form von Geschenken oder echtem Obolus, ihr Eigentum betreten zu dürfen. Also das schöne Samoaland ist – dank sei den Göttern – bis dato überhaupt noch kein Touristenziel im großen Stil. Dazu liegt dieses Paradies auch viel zu weit draußen im großen Pacific. Bislang wird die Insel vornehmlich besucht von Leuten aus Australien, Neuseeland, den USA um für kurze Zeit die Entfernung zu genießen.

Die Samoa-Inseln bestehen politisch nach internationalen Vereinbarungen aus dem größeren West-Samoa, dem Ziel unseres Besuchs, das sind vor allem die zwei Hauptinseln Upolu und Savaii, eine parlamentarische Republik, weitgehend unabhängig und Amerikanisch Samoa, freundschaftlich geprägt und unterstützt von den USA.

Und nun was malerisch vor allem von Interesse für mich war: Die ganze schöne Insel besteht meinen Augen nach aus den Farben Schwarz – das ist das Lavagestein (Samoa wurde einmal aus dem Meeresgrund an die Oberluft befördert durch Eruption), phantastisch Grünbunt, das ist alles was da wächst und Milchkaffeebraun, das ist die Sammethautfarbe der barfüßigen Inselleute mit Abstufung zum Tiefbraun vermischt mit einigen tropfen Tiefgrün ihrer Augen und Tiefblau von ihrem Haar. Diese tiefgrüne und tiefblaue Beigabe muß wohl von Diamanten stammen, die hochoben in den Kronen der Kokospalmen und in der Meeresbrandung draußen vor den Korallenriffen wachsen. Das alles läßt natürlich das Malerherz jubeln!

Es ist auch das Ornament, von Samoanern erdacht und geschaffen zur gestaltung ihrer geflochtenen Matten (Tapas), Kleidungsstücke, Schmucksachen, das mich dann wieder zur Bildgestaltung anregte.

Das vorläufige Ergebnis liegt nun hier auf Papier gemalt vor.“

1990 – nach der ersten „weiten“ Reise, die GK und seine Familie auf eine der kanarischen Inseln, nach Teneriffa führte, notierte er:

„die Schönen Tage auf Tenerife! – ach, daß alles so schnell vergehen muß – eine Sch….“

Ich habe einen kostbaren Berg von Briefen, die ich von Gerhard Klampäckel erhalten habe – während unserer Zeit des sozusagen dienstlichen Bekanntseins, miteinander Arbeitens (an Texten für die Zeitung und für Kataloge) und aus unserer Zeit des sozusagen wirklichen Zusammenlebens – das war seit dem Sommer 1986, und der 7. März 1998 hat auch für mich nichts an diesem Zusammensein verändert. So ist das nun eben. Ich lese zum Beispiel diese vielen, vielen „Zettel-Briefe“, und ich denke: so viele Liebesbriefe hat sicher nicht so schnell eine Frau von ihrem Mann erhalten (der noch dazu schließlich und endlich sogar noch ihr Ehemann geworden ist und trotzdem weiter solche Briefe geschrieben hat – daran könntet Ihr Euch zum Beispiel ein Beispiel nehmen – GK würde das übrigens gut gefallen….

Undatiert, aber sicher nach der Wende:

Liebste Maria, wir können sehr glücklich sein – genug Platz für 3, Spiegel im Feuer, Honecker weg, Erdbeeren (die eßbaren und die kostbaren) in Hülle und Fülle, schöne gemütliche Liegestätten. Ich hab Euch + Ihr habt mich – wenig money, dafür aber viel Spaß an der Freud – was wollen wir noch mehr?!! Ich steh gleich wieder zur Verfügung. Denn ich liebe Dich. P.S. Nicht verzagen, Gerh. fragen.

Undatierter Extra-Zettel („Erziehungs-Märchen“ – einer von uns hatte wohl was falsch gemacht…):

Es war einmal ein Kleines Männlein, das hieß Rot Käppchen, das wollte parout nicht lernen, wie man Milchtüten richtig öffnet, damit die Fettarme nicht so obenranschwabbelt, wenn man sie ausgießen möchte. Dafür wurde es drei lange Tage und drei lange Nächte eingesperrt in eine dunkle finestere Jeanshose. Nach dieser Zeit, da es wieder das hehre Licht der Sonne genießen durfte, wurde es gefragt ob es nun wüßte, wie man eine fettarme Milchtüte richtig öffne, damit der Inhalt nicht immer so herumschwabbere beim Ausgießen. Ja, sagte da das nach den dreien Tagen und den dreien Nächten so ganz heruntergekommene Rot Käpplein: man schnibbelt nur das kleine Nibbeleckchen ab – oben. Ganz wenig nur, damit sich die Tüte beim Ausgießen nicht zu hurtig entleert und damit man sie so dann auch, wenn das abgeschnibbelte Nibbeleckchen hochgebogen ist wieder – überallhin bewegen und tragen kann ohne daß irgendwas herum- und raus schwabbelt dabei. Ja, sagte dann die kluge Mami, so ist’s schon recht und so darfst Du itzt dreien lange schöne Tage und dreien noch längere schöne Nächte bei der Mami mit im Bette schlafen, Daraufhin bekam das Rot Käpplein einen noch röteren Kopf und freute sich.

25.7.1991

Meine liebe, liebe Maria. Nun bist Du wieder away den ganzen schönen Tag. Und ich gammle in Hdorf dahin. Wenn wenigstens der Draht zu Dir ok wäre. So warte ich wieder auf die Telefonheinis. Aber wie schön wärs wenn Du am Abend raus kämst. Wir könnten dann anschließend zum Martin D. fahren. Sollten die Telefonleute bald durch sein werde ich früher kommen. So schade um jede Stunde, die wir nicht zusammen verbringen. Muß noch zur Oma gucken gehen, dann verschwinde ich in Richtung City. Komme doch heute abend schnell, ich warte so auf Dich!! In Liebe Dein Gerh.

29.8.1991

Meine liebste Maria, Ich mache mich jetzt (9.20) auf den Weg, werde dann irgendwann in Glauchau landen. Deine lb. Grüße bestellen und den Rest des Tages noch bißchen mit meiner Mumi und meinem Bruder verbringen. Aber dann doch so geschwind wie möglich wieder zurückkehren ins Nest am Reinecker-Damm. Bis dahin, so hoffe ich, denkt Ihr (vor allem Du!) lieb an mich – so wie ich das auch tue. (In freier Verwendung der Gemeindeverordnung: Dieser Weg ist kein Weg und wer es trotzdem tut… usw.) Also. So lieb ich Dich alle Tage, besonders aber heute. Dein Gerh.

30.9.1991

Es gibt nichts Schöneres, als früh Deine liebe Post zu finden und damit zu wissen, daß wir uns lieb haben! Till, das Bärenkind, beteiligt sich schon mit an der morgendlichen Korrespondenz, wie schön. Meine liebste Maria, auch Du machst mich glücklich, da ich weiß, daß du auf mich wartest! Abends + immer. Das ist soviel, daß unsere kleinen Sorgen (Sörgelchen) eigentlich gar keine sein brauchten. (….) In Liebe Dein Gerh.

Brief aus der Kur:

16.5.92

Meine liebste Maria, mein Lieber Till! Statt zu telefonieren, schreibe ich mal. Der Sonnabend heut ist zu Ende, es ist Schlafenszeit für mich, 21.30. Gleich roll ich mich zusammen. Ich war natürlich heute nicht mit von der Buspartie in die Rhön. Zu langweilig so was. Bin wieder „barbsch“ und die Kopfhörer umgeschnallt durch den Wald gestapft. Muskelkater in den Waden! Die Hauptsache, ich kireg die Zeit rum. Ich denke immer nur an Euch – denn ohne Euch ist alles nichts. Meine Maria, Du fehlst mir ungeheuerlich. Was fang ich bloß an ohne Dich! Überall und bei allem ABER bist Du dabei und überall sehe ich nur Dich! Du magst das nur für die Schwüre eines in dieser Wildnis Zurückgelassenen halten. Es ist mehr!: Ich liebe Dich eben so sehr und so geht es einem dann, wenn man so weit weg von der Liebe ist. Nimms wie Dus willst aber mir ggeht’sdiesbezüglich eben saudreckig. Jaja. Und ich sehen den Dienstag herbei, den Tag der Heimfahrt. So, daß wir nämlich wieder zu Dritt am Wackeltisch sitzen können und gemeinsam unser Konsumkraftmabrot essen. Machst Du an dem Abend was Schönes und noch mehr? Warte auf mich, Maria. Hast Du Dir die Bluse gekauft, eine Sommerbluse? Na dann. In Liebe Euer Gerh.