GERHARD KLAMPÄCKEL – ein Künstler aus Chemnitz.

GERHARD KLAMPÄCKEL – ein Künstler aus Chemnitz.

Gerhard Klampäckel gehört zu den bekanntesten Chemnitzer Künstlern. 1998, im Alter von 79 Jahren verstorben, ist seine Anwesenheit noch immer gegenwärtig – auch durch die Gespräche der Künstlerkollegen und die vielen Anekdoten, die dabei über Gerhard Klampäckel erzählt werden. Und natürlich durch seine Kunst: Ein großflächiges Bodenmosaik, eine „Windrose“ ziert nach sorgfältiger Restaurierung wieder und hervorgehoben nun im Eingangsbereich den Chemnitzer Rosenhof.

Doch nicht alle Werke des Künstlers durften zu jeder Zeit sichtbar sein, manches wurde auch zerstört – eine glückliche Geschichte hat jedoch das große, repräsentative Wandbild, das Gerhard Klampäckel 1956/57 für das Lehrlingswohnheim der Baumwollspinnerei in Flöha schuf: nach der Einweihung wurde es sofort vernagelt – damals verantwortliche Funktionäre wollten das Bild möglichst für immer unsichtbar bleiben lassen. Es war zu modern, zu abstrakt. Doch zerstört wurde das Wandbild nicht und ist heute, nach der Wende an Ort und Stelle wieder zu sehen.

Der Maler Gerhard Klampäckel wurde 1919 in Vaitele auf der Südseeinsel Samoa geboren. Die Eltern, dorthin ausgewandert, kehrten mit Gerhard und dem ebenfalls auf Samoa geborenen älteren Bruder Rudolf nach dem ersten Weltkrieg nach Sachsen zurück – Samoa war unter britische Herrschaft gefallen. Die Wanderjahre brachten den jungen Gerhard Klampäckel nach Hamburg, Leipzig und nach Österreich, wo er sich an der Wiener Kunstakademie als Student einschrieb. Den zweiten Weltkrieg erlebte Klampäckel als Soldat und als amerikanischer Kriegsgefangener in Italien.

Von 1949 bis 1953 studierte Gerhard Klampäckel an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Er war dort nach dem Krieg einer der ersten Schüler der Professoren Lea Grudig und Max Schwimmer. Besonders der begnadete und bedeutende Zeichner Max Schwimmer, der später an der Berliner Kunstakademie lehrte, hinterließ einen starken Eindruck auf Gerhard Klampäckel – und der zeichnete ununterbrochen, musste alles abbilden, sog die Kunst in sich auf. Sein künstlerischer Maßstab schon in jungen Jahren und bis ins Alter war und blieb – Picasso.

Klampäckel entwickelte einen eigenen, von der Dresdner Schule geprägten Stil. Öffentliche Aufträge, Buchillustrationen, Kunst im öffentlichen Raum – es gab zahlreiche Betätigungsfelder für den Künstler, der seit den 80-er Jahren auch der Academia Polonia Artium in München eng verbunden war. Neben seinen Malereien und plastischen Gestaltungen, die er als Modellentwürfe für spätere große Skulpturen ausführte, entstanden auch eigene Gedichte und Texte.

Mitte der 90-er Jahre konnte Gerhard Klampäckel nochmals an die Stätten seiner Kindheit auf Samoa zurückkehren. Danach entstanden wieder neue Bilder: ein Zyklus „Südseeimpressionen“ sowie großformatige, lichtdurchflutete Ölgemälde, in denen eine wohl auch typisch sächsische Malqualität durch die vielfältig eingebrachten Motivzitate aus der Südsee nochmals gesteigert wurde.

Als Gerhard Klampäckel im März 1998 starb, würdigte ihn der Formgestalter Clauss Dietel in seiner Grabrede „als einen der Besten der Stadt, als einen wunderbaren Menschen und Kollegen“.

Anlässlich des 85. Geburtstages von Gerhard Klampäckel richtete die Chemnitzer Galerie Weise eine Gedenkausstellung ein. Bis zum 9. Oktober 2004 sind in der Galerie in der Inneren Klosterstraße 1 großformatige Zeichnungen des Künstler zu sehen, die seinen Ruf als einen der qualitätvollsten sächsischen Zeichner bestätigen.

Bernd Weise