Neu in Chemnitz – Meine ersten Jahre mit GK

Neu in Chemnitz – Meine ersten Jahre mit GK
Der folgende Text von Herrn Peter Wilhelm Patt aus Chemnitz – einem sehr guten Freund von Gerhard Klampäckel – entstand anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zur Erinnerung an den 85. Geburtstag von “GK” in der Galerie Weise.

“Neu in Chemnitz – Meine ersten Jahre mit ‘GK'”  ist ein Auszug aus der zur Vernissage am 8. September 2004 in der Galerie Weise von Peter Wilhelm Patt für Gerhard Klampäckel gehaltenen Laudatio. Der Text wurde zunächst im TOP-Magazin Chemnitz (Heft 3/2004) veröffentlicht und hier den Machern der Website ebenfalls zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Eines Tages im Spätsommer 1990 stand Gerd Klampäckel in der Tür zum Büro. Der urwüchsige Maler mit der Baskenmütze kam einfach herein. Sein Fahrrad parkte vor dem Bankcontainer, er war gerade im Stadtbad gegenüber gewesen. Unmittelbar trat er in das Leben der bunt aus Westdeutschland zusammen gewürfelten Bankmenschen.

„Sollen wir nicht einmal eine Ausstellung machen? Was hat die Bank mit den vielen weißen Wänden vor? Ist es nicht auch Aufgabe einer Bank, Kunst zu fördern?

Hinter der sehnigen und kantigen Person verbarg sich ein kultivierter Mensch. Mit einer lauernden abwartenden Haltung lockte er die Gesprächsteilnehmer charmant aus der Reserve. Neugierig war er auf alles, was die Wende mit sich brachte. Beobachtend, kritisch offen hinterfragend entwickelten sich Gespräche, in denen sich dem Befragten ein immenser Erfahrungshintergrund erschloss. Gerd Klampäckel stellte sich selber stets zurück und gab, indem er die neu angekommenen Pioniere von ihren Visionen und Lösungsansätzen erzählen ließ. Er war ein aktiver Zuhörer.

Wir machten also die Ausstellung in der Commerzbank, eine Verkaufsausstellung in einem Bankcontainer im Herbst 1990 noch vor der Wiedervereinigung. Als ich die Verkaufserlöse zu Gerd Klampäckel ans Krankenbett brachte, weinte er fast, denn er hatte wohl gar nicht mit einem Verkaufserfolg gerechnet.

Jahre später kaufte ich seine neuen großen Werke für einen Neubau meines damaligen Haustechnikgroßhandels an der Werner-Seelenbinder-Straße, dem ersten Gewerbepark der Stadt. Wie ungehalten war GK, wenn die Bilder, seine Bilder, nicht ordentlich getragen und transportiert wurden. Alles organisierte er stets alleine, montierte und arrangierte – und das in seinem Alter. Aber wer konnte sein Alter schon schätzen? Im Haus waren auch noch viele Handwerker im Innenausbau tätig. Einer schimpfte, als er die großflächigen Acrylarbeiten mit den Styroporelementen sah, was denn dieser „Scheiß” solle. Das traf. GK verließ wortlos und aufgebracht das Haus. Und es dauerte viele Tage, bis er wieder kam, um sein Werk zu vollenden. Später berichtete ich ihm, wie seine Bilder wichtiger Identifikationspunkt bei Mitarbeitern und Kunden wurde, Humus für ein breites Kunstverständnis. Wir verkauften ja Bäder, die sich nicht über die Wasserdurchflussmenge der Armatur oder die Heizkurve der Therme erschlossen, sondern über Farbe und Form.

Eines dieser Bilder lieh sich GK zur Landesausstellung im Dresdner Schloss aus. Als ich es zurückbekam, war es verändert. Ich musste erst die Photos studieren, um den ‚Mangel’ zu bemerken. Das rote ‚E’ auf dem gelb-grün-schwarzen Grund fehlte. Es war ein anderes Bild geworden, doch GK stellte den Mangel durch neuerliches Übermalen auf meinen Wunsch wieder ab. So war er. Bilder lebten bei ihm weiter. Er war gedrängt vom Perfektionismus in verschiedensten Stilen und Materialien, aber auch kulant und respektierend.

In seinem Atelier an der Heinersdorfer Straße, einer verfallenden alten Poststation, diskutierten wir häufig. Ich erinnere mich gut an seine Vorhaltung zur Frage „Wer ist das”. „Das ist wer”, antwortete er und fasste seinen Respekt vor den Menschen gegenüber abschätzenden Fragen in einem Textbild zusammen: „weristdasistwer”. Meine Frau hat es heute in ihrer Kanzlei auf der Weststraße hängen.

Für Gerd Klampäckel waren Experimente wichtiger als die Botschaft, er hatte eine unsägliche Freude an der Entstehung. Dabei zeigte er immer die Widersprüche und Ungereimtheiten auf, und forderte seine Betrachter, solche zu erkennen. ‚Wie er das Eindrückbare, die reizbaren Stellen ausfindig machen wollte, um Mitschöpfer zu sein und nicht nur abzubilden’, schrieb ein Kritiker. Seine Fragen waren lockend, ironisch, aber nicht beißend, waren eine Brücke zum Gefragten.

Das große Bild aus der Landesausstellung hängt heute in meinem Rücken, ich sitze gerne davor und denke an die ersten Jahre in Chemnitz. GK hat meine Frau und mich als erster mit ernsthaftem Interesse hier aufgenommen. Wir leben gerne hier, auch wenn unsere Kinder sagen, wir wären ja gar keine Sachsen – die vier sind hier geboren.

Peter Wilhelm Patt

GERHARD KLAMPÄCKEL – ein Künstler aus Chemnitz.

GERHARD KLAMPÄCKEL – ein Künstler aus Chemnitz.

Gerhard Klampäckel gehört zu den bekanntesten Chemnitzer Künstlern. 1998, im Alter von 79 Jahren verstorben, ist seine Anwesenheit noch immer gegenwärtig – auch durch die Gespräche der Künstlerkollegen und die vielen Anekdoten, die dabei über Gerhard Klampäckel erzählt werden. Und natürlich durch seine Kunst: Ein großflächiges Bodenmosaik, eine “Windrose” ziert nach sorgfältiger Restaurierung wieder und hervorgehoben nun im Eingangsbereich den Chemnitzer Rosenhof.

Doch nicht alle Werke des Künstlers durften zu jeder Zeit sichtbar sein, manches wurde auch zerstört – eine glückliche Geschichte hat jedoch das große, repräsentative Wandbild, das Gerhard Klampäckel 1956/57 für das Lehrlingswohnheim der Baumwollspinnerei in Flöha schuf: nach der Einweihung wurde es sofort vernagelt – damals verantwortliche Funktionäre wollten das Bild möglichst für immer unsichtbar bleiben lassen. Es war zu modern, zu abstrakt. Doch zerstört wurde das Wandbild nicht und ist heute, nach der Wende an Ort und Stelle wieder zu sehen.

Der Maler Gerhard Klampäckel wurde 1919 in Vaitele auf der Südseeinsel Samoa geboren. Die Eltern, dorthin ausgewandert, kehrten mit Gerhard und dem ebenfalls auf Samoa geborenen älteren Bruder Rudolf nach dem ersten Weltkrieg nach Sachsen zurück – Samoa war unter britische Herrschaft gefallen. Die Wanderjahre brachten den jungen Gerhard Klampäckel nach Hamburg, Leipzig und nach Österreich, wo er sich an der Wiener Kunstakademie als Student einschrieb. Den zweiten Weltkrieg erlebte Klampäckel als Soldat und als amerikanischer Kriegsgefangener in Italien.

Von 1949 bis 1953 studierte Gerhard Klampäckel an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Er war dort nach dem Krieg einer der ersten Schüler der Professoren Lea Grudig und Max Schwimmer. Besonders der begnadete und bedeutende Zeichner Max Schwimmer, der später an der Berliner Kunstakademie lehrte, hinterließ einen starken Eindruck auf Gerhard Klampäckel – und der zeichnete ununterbrochen, musste alles abbilden, sog die Kunst in sich auf. Sein künstlerischer Maßstab schon in jungen Jahren und bis ins Alter war und blieb – Picasso.

Klampäckel entwickelte einen eigenen, von der Dresdner Schule geprägten Stil. Öffentliche Aufträge, Buchillustrationen, Kunst im öffentlichen Raum – es gab zahlreiche Betätigungsfelder für den Künstler, der seit den 80-er Jahren auch der Academia Polonia Artium in München eng verbunden war. Neben seinen Malereien und plastischen Gestaltungen, die er als Modellentwürfe für spätere große Skulpturen ausführte, entstanden auch eigene Gedichte und Texte.

Mitte der 90-er Jahre konnte Gerhard Klampäckel nochmals an die Stätten seiner Kindheit auf Samoa zurückkehren. Danach entstanden wieder neue Bilder: ein Zyklus „Südseeimpressionen” sowie großformatige, lichtdurchflutete Ölgemälde, in denen eine wohl auch typisch sächsische Malqualität durch die vielfältig eingebrachten Motivzitate aus der Südsee nochmals gesteigert wurde.

Als Gerhard Klampäckel im März 1998 starb, würdigte ihn der Formgestalter Clauss Dietel in seiner Grabrede “als einen der Besten der Stadt, als einen wunderbaren Menschen und Kollegen”.

Anlässlich des 85. Geburtstages von Gerhard Klampäckel richtete die Chemnitzer Galerie Weise eine Gedenkausstellung ein. Bis zum 9. Oktober 2004 sind in der Galerie in der Inneren Klosterstraße 1 großformatige Zeichnungen des Künstler zu sehen, die seinen Ruf als einen der qualitätvollsten sächsischen Zeichner bestätigen.

Bernd Weise

Gedanken und Überlegungen

Gedanken und Überlegungen
Anmerkung: Gerhard Klampäckel schrieb sehr gern – und viele seiner Gedanken „über Gott und die Welt” hat er zumeist in Schreibheften oder (wenn er Lust und Zeit genug dafür verwenden wollte) auch mit der Schreibmaschine notiert und aufgehoben, später einiges auch verworfen oder korrigiert, mit Anmerkungen versehen – manchmal mir vorgelesen, in Frage gestellt – mir Fragen gestellt…

Vieles von diesen „Gedankensprüngen” ist übrigens auch knapp handschriftlich notiert als mehr oder weniger Notiz „für später” auf schließlich Bergen von kleinen und großen Zetteln – die Macher der Website haben sich Zeit und Liebe genommen, Hinterlassenes aus diesen auch nun schon vergangenen Jahren – immerhin aus den Jahren zwischen 1950 bis 1998 – abzuschreiben und hier zu veröffentlichen. (Wie auch bei allen anderen Texten, insbesondere auch den Gedichten von GK, haben wir die ursprünglich vom Schreiber ganz bewußt verwandte Orthographie beibehalten.)

GK über sich und das Entstehen von (möglicherweise) Kunst – geschrieben 1980/81 in bezug auf seine Bleistiftzeichnungen, einige Passagen sind auch im Katalog zur Ausstellung von Gerhard-Klampäckel Zeichnungen 1981 in der damals unter der Leitung von Dr. Klaus Werner überaus renommierten Berliner Galerie (des Staatlichen Kunsthandels) „Arkade” veröffentlicht.

Beim Zusammenfügen bediene ich mich gern solcher Sachen oder Ansichten, die weder zusammengehören noch zusammenpassen. So erfinde ich Eintracht aus Gegensätzlichem. Nein nicht neue Grundsätze aus Antithesen. Das liegt mir nicht. Mit Melodien meine ich ungewöhnliche, ungebräuchliche Klänge. Mein Programm ist, Widersprüche, Ungereimtheiten, ja Schmerz und alles mögliche in dieser Art ertragbar zu machen. Durch Auffindung, Betroffenheit und Abschätzen der Ausmaße. Dazu nicht im Gegensatz finde ich, daß jeder Widerspruch im Geist und in den Gefühlen sich zu einer Art Revolution auswachsen sollte, irgendwie und irgendwann. Wie im Gefolge all diese Revolutionen zu bewältigen seien, sind Menschen aller Ebenen und Zeiten aufgerufen. Insofern verstehe ich mich als jemanden, der kommunalpolitisch interessiert ist. Ich will immer alles so gut ich kann verschlüsseln und verschließen, daß jemand außer mir nur unter großer Anstrengung Zugang dahin finden soll. Ich will meinen Mitmenschen auf diese Weise versichern, daß ich sie ernst nehme. Sie sollen wissen, daß ich das meiste an ihnen kenne, denn alle sind verwandt mit mir, denn ich bin mit allen verwandt. Beginne ich mich auf das Rechteck einzulassen, dann lasse ich mich ein auf das Risiko, am Ende die Schwierigkeiten meines eigenen Daseins als unbewältigt erscheinen zu lassen.

Und erlaube mir dabei immer wieder mit höchster Genugtuung die Abenteuer des Wunders und des Wunderns. Das ist mein Profit. Bin mir dabei nicht sicher ob das schon eine Weltanschauung ausmacht.

Ich werde mich aber immer vor allem möglichen hüten.

Vor Superlativen zum Beispiel. Sie zu gebrauchen aber auch, sie ertragen zu müssen. Weil viele Menschenleben nicht ausreichen, um all die unendlich vielen herumliegenden Teilchen, Symbole des Erkennbaren und Forderungen zugleich, um all dieses Viele aufzusammeln und zu einem Überblickbaren zusammen zu bringen. Zu vieles gibt es, was bei diesem Werk verloren geht oder auch was den Blick in die Unendlichkeit verstellt. Verletztes Menschenglück, verwundete heilige Scham des Menschseins soll heißen: Aufbruch zum Flug über Ebenen und Hügel. Verletzungen der Behausung, der Hautoberfläche aber auch der Substanz sind dabei nicht ausgeschlossen. Ich kriege jedenfalls das Gefühl nicht los, als wäre alles Natürliche noch nicht ganz fertig, wir stünden noch mitten in der Schöpfung.

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Nun hab ich mein Handwerkszeug genommen. Ich bitte um Duldung. An irgend einer Ecke muß man ja wohl mal anfangen, an sich zu stricken. Ich mache mir Ansichten über mich und über Sie und setzte immer schon Leben mit Schönheit gleich. Trotz alledem. Diese Anschauung von der Welt und noch viele mehr gibt es. Das liegt an ihrer Rundheit. Unendlich viele Punkte gibt es da, von denen man, usw.

Zum Beispiel: Den Fall gesetzt, man unterläßt, etwas am Namen zu nennen. So ist das korrigierbar. Den anderen Fall gesetzt, man nennt etwas beim Namen, dann sollte das endgültig sein.

Stelle mir vor, daß ich an einer Etwasschöpfungsaktion beteiligt sein könnte, dürfte oder müßte. Ein Recht übrigens, das sich jeder herausnehmen sollte. Sich dies vorzustellen, setzt Kräfte frei, treibt auf wie Hefe.

Ich überlege oft, ob Auferstehen am Morgen als eine Übung nur oder schon als Konzeption eines Bewußtwerdens gewertet werden sollte. Manchmal wenn ich ein Blatt zeichne, fällt mir dann so etwas ein. Auch solches. Zum Beispiel, sollte einmal ein Menschenkind in Gefahr geraten, vom Duft einer Rose erdrückt zu werden, dann bitte stehen Sie nicht herum. Tun Sie so wie ich es etwa täte: Greifen Sie zu. Dies mit überzeugender Technik in die richtige Ordnung gebracht und unwiderruflich zur Maxime erhoben, könnte bewirken, das Vernünftigste und Klügste in der menschlichen Natur nach oben zu bringen. Leider auch hier sind Zweifel am Platz.

Möglicherweise gibt es einmal einen Ruck.

+

Wenn ich z.B. menschliche Haut, also Oberfläche zeichne, dann soll es am wenigsten solche sein. Ich vermute nämlich immer, daß darunter viel mehr steckt. Vermutung aus Neugier und Vermutung aus Überzeugung. So möchte ich nichts vorenthalten und sollte es auch das Geringste sein. Mehr, eben dieses Geringste suche ich. Ich habe einmal mitten im Sommer ein welkes Blatt fallen gesehen. Darüber erschrak ich ganz erbärmlich.

Als ob man so etwas für sich behalten könnte. Aber auch: schmerzlich eingedrungen muß schon sein. Wenn auch immer wieder zweifeln ob’s die richtige Art denn sei.

Und nichts sollte einen sich an einer gewissen Schöpfung beteiligt Wähnenden soweit bringen, aus einer vorgefaßten Tiefe heraus alles mit seinen Ansichten zu belegen.

Da wäre zum ersten und zum besonderen eine bestimmte Kraftzufuhr zu nennen, ohne die nichts zu machen ist. Auch nichts zu unternehmen ist. Das gehört zu dem, was ich schon früh begriff. Kreisnutzung ist das, Nutzen des Kreises zum Nutzen des Kreises. Auferstehung, Auferstehung woraus immer man will. Von da aus Möglichkeiten bis zum Flug. Überhaupt, wie man Unendlichkeit begreift oder von wo aus man auch immer so etwas betrachtet, ein solches fast nicht Vorstellbares – es scheint es zu geben und zwar entstehend oder vielmehr vielleicht existierend aus lauter Endlichem, das heißt Anfaßbarem. Oder vielleicht umgekehrt: Endliches aus lauter Unendlichem. Wie auch, beides scheint mir einleuchtend.

Sicher sollte man Leute, die das rausgekriegt haben ernsthaft nochmal darum befragen. Befragung wegen eventueller Unsicherheit. Daraus verstehe ich auch Religiosität, Ideologien. Auch Bedarf an Kunst. Alles in allem heißt das: Eindringen, Beschleunigen oder Verzögern, aus dieser reinen Quelle.

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Nun zittert mir vor lauter Unsicherheit beim Zeichnen oft die Hand. Auch um Ihnen mitzuteilen dies und manches andere. Auch was ich von diesem und jenem halte. Und auch wie Fernen zu durchmessen wären unter Umständen, der Punkt zu erreichen wäre, von dem aus man. Aber dann merke ich schnell: hier bist du zu weit gegangen, das ist nicht mehr deine Sache. Meine Sache aber immer ist, Stellen ausfindig zu machen, eindrückbare, reizbare.

Gern wüßte ich noch wie dies und das einmal so ausgeht.

Dabei denke ich, daß einiges bis unter die Haut gehen sollte.

Und einiges habe ich für mich schon entschieden.

+

Ver – Gleichung

Ver = Gleich

Ver = Gleich + Gleich

Gleich = Ver + Ung

Gleich = Ver – Ver ( Ung/Gleich )

Ung = Gleich – Ver + Ver – Ung

Gleich = Gleich ohne Ver

Ver = Ver

x Ver = immer Ver
item:

Ver = Gleich Ung

doch:

Ung = Gleich Ver

zum Beispiel.

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Auch das noch: Ein gewisser Leichtsinn gestattet mir oft tiefere Einsicht. Dabei ist nicht immer sicher ob es sich um letzte Wahrheit dreht. Kannsein ich belasse es bei der Vermutung. Auch hier. Das läßt mir Gottseidank den Blick frei. Wie es dabei überhaupt so oft, allzuoft nur um Verstellungen geht, Verstellung des Weges, weil es diesen betrifft.

Unentwegt geht es dabei um das (undenkbar dies zu unterlassen): Darüber nachzudenken. Kommt nun der Berg zu mir oder muß ich mich auf den Weg zu ihm machen. Manchmal fallen mir dazu Geschichten ein, vorher nie gesehene. Die haben dann so eine Mechanik an sich. Werden durch diese bewegt. Ganze Körper auch. Mechanisch an ihrer Funktion gehinderter Körper. Sag mir jemand wie ich darauf komme.

+

Eigentlich wollte ich Funde machen. Am Ende mache ich sie mir selber. So kann es zugehen, wenn man einen Bogen leeren Papiers vor sich hat. Und immer diese Unverfrorenheit, mit der sich dieses einem entgegenstellt. Im Gegensatz dazu: was mich nicht reizt, sind die unglaublichen Entfernungen und Blicke durch Vergrößerungsgläser.

Möge diese Welt so oder so sein, immer aber bleibe ich verliebt in ihre grüne Schönheit. Und vertrau ihren Pulsschlägen. Und lese an ihnen ab, daß vor dem Erwachen immer der Schlaf ist. Und bleibe versöhnt. Träume spielen dabei kaum eine Rolle. Ich lasse mir von ihnen nichts vormachen. (Lieb es aber sehr, wenn sie zu mir kommen.)

Theater ist dagegen alles. Der Reiz des Nachdenkens besteht doch wohl in der Nein-Stellung zur künstlichen Beatmung. (Hat das etwas mit tieferer Wahrheit zu tun, so sollte man sich dadurch nicht vom Tun abhalten lassen.)

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Manchmal, wenn ich ein Blatt zeichne, fällt mir dann so etwas ein. Auch solches. Zum Beispiel, sollte einmal ein Menschenkind in Gefahr geraten, dann bitte stehen Sie nicht herum. Tun Sie so wie ich etwas täte: Greifen Sie zu. Dies mit überzeugender Technik in die richtige Ordnung gebracht und unwiderruflich zur Maxime erhoben, könnte bewirken, das Vernüftigste und Klügste in der menschlichen Natur nach oben zu bringen.

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Wenn ich menschliche Haut, also Oberfläche zeichne, dann soll es am wenigsten solche sein. Ich vermute nämlich immer, daß darunter viel mehr steckt. Vermutung aus Neugier und Vermutung aus Überzeugung. So möchte ich nichts vorenthalten und sollte es auch das Geringste sein.

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Kreisnutzung ist das, Nutzen des Kreises zum Nutzen des Kreises. Auferstehung. Auferstehung woraus immer man will. Von da aus Möglichkeiten bis zum Flug. Überhaupt, wie man Unendlichkeit begreift oder von wo aus man auch immer so etwas betrachtet, ein solches fast nicht Vorstellbares – es scheint es zu geben und zwar entstehend oder vielmehr existierend aus lauter Endlichem, das heißt aus Anfaßbarem. Oder vielleicht umgekehrt auch: Endliches aus lauter Unendlichem. Wie auch, beides scheint mir einleuchtend.

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Über meine Art zu arbeiten: Da habe ich es durchaus zu einem gewissen Rhythmus gebracht. Was über vier Tage an einem Blatt hinausgeht, bringt mich in Gefahr, allen meinen Elan daran zu verlieren. Beim Musikhören plane ich mein nächstes Unternehmen. Oftmals.

Ich schaue z.B. von einem 300 m hohen Schornstein herab und vernehme von tief unten das Kreischen der Bewegungen, das seine Ursachen in der viel zu engen Berührung hat.

Einige (Liebes-)Erklärungen über K.

Einige (Liebes-)Erklärungen über K.
Abschrift eines von mir (Maria Schneider-Klampäckel, damals Maria Schneider) 1981 verfassten Textes zur Veröffentlichung im Katalog zur Ausstellung der Bleistiftzeichnungen von Gerhard Klampäckel in der Berliner Galerie ARKADE.

Dieser Text wurde allerdings nicht im Katalog zur Ausstellung  veröffentlicht – aus politischen Gründen, so informierte mich damals die Galerie. Heute wird diese Begründung höchstwahrscheinlich für vor allem jüngere Leser kaum nachvollziehbar sein – so ein kleiner Text, nicht gedruckt aus politischen Gründen?! – Den Text zu schreiben, hatte ich den Auftrag erhalten und mit Gerhard Klampäckel über seine schon legendären Bleistiftzeichnungen gesprochen. Schlussendlich überstand der kleine Text die anno 1981 herrschende Zensur nicht. Ja, so isses eben manchmal gewesen… Die Ausstellung in der Berliner ARKADE aber wurde ein Erfolg.

Da der Autorin der Text bei Sichtung des Nachlasses von Gerhard Klampäckel wieder in die Hände gefallen ist – und auch nach über zwei Jahrzehnten Gültigkeit besitzt, wurde der Originaltext schließlich hier veröffentlicht. Gerhard Klampäckel hat der Text sehr gefallen – und wenn ihr seine Bilder kennt und besonders eben auch diese Bleistiftzeichnungen, dann findet ihr vielleicht etwas von ihm selbst und seiner Kunst gespiegelt in den folgenden Worten, Sätzen und Gedanken. Das wäre schön, und mehr soll es nicht sein.

Einige (Liebes-)Erklärungen über K.

„Trauert, Götter der Liebe! Trauert Menschen, die ihr liebt oder die ihr euch geliebt wißt!” Besser entspricht ihm vielleicht: „Leben laß uns und lieben, meine Lesbia, und das Lästern verkalkter Greise soll uns keinen lumpigen Pfennig wert sein!” Beides zitiert nach Catull – um 87 bis um 34 v.u.Z., verwegenster und größter Liebesdichter Roms zur Zeit Cäsars—

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Mit fallen Catull und seine Gedichte ein. Stelle mir vor, daß K. ihm nahestehen müßte. Ähnlich dem Dichter auf seine Weise, besingt – ja! – auch er Liebe und Lust und Leid, anders schon aus dem schmerzlichen Wissen des Alters um stets gegenwärtige, nahe Vergänglichkeit menschlicher Existenz, um die Unzulänglichkeit wie die Sehnsucht nach Vollendung. Trauer ist es wohl weniger. Will sie ihn ergreifen, siegt die große Lust: zu leben.

Was heißt „besingen”? Urwüchsig-naturhaftes, zugleich doch kultiviertes Schwingen, Wogen, einander verwoben werden und sein, übersinnliches Beben, leise schwimmende Zärtlichkeit und tolldreistes Begehren in einem: Strawinskys „Sacre”, die erotischste Musik, die ich kenne oder Orffs „Catulli carmini”, ekstatischer Rausch von Tönen und Rhythmus. Catull – also wieder, und doch anders.

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Für mich vor allem ein sehr guter Zeichner: „Die Zeichnungen bin ich!” Zurückhaltend bleibende Perfektion im Beherrschen auch dieser Technik. Basis für den nicht abzustreitenden auch ästhetischen Reiz. Warum sich dem entziehen wollen… Endlichkeit aus der Unendlichkeit des Universums geschöpft – oder auch umgekehrt, wer weiß das schon. Ständiges Infragestellen (auch der eigenen Individualität) bleibt ständig notwendiger Grund und ebensolches Abenteuer, zu Neuem zu gelangen. Das mache doch jeder — Stimmt nicht: Nur wer ernsthaft und wissend, nimmt die Last des Zweifelns, Zweifeln-Müssens so auf sich.

Voraussetzung die Fähigkeit, ungeheure Freude am Leben wie auch empfindsam zu sein für alles Leid der Welt, abzubilden, auf diese Weise – wie er sagt – „Mitschöpfer mitten in der Schöpfungsgeschichte” zu sein: „Eindrückbare, reizbare Stellen ausfindig machen!” Also nicht nur abbilden schlechthin.

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Abenteuerlich, diesen Bildern zu begegnen. Da wäre soviel zu sagen, was ungesagt bleiben muß. Da muß gelebt, versucht werden nachzuleben. Gibt es das? Nicht Träume, nahe Gegenwärtigkeit – hautnahe Nähe von Menschlichkeit, vom Menschen, auch im direktesten Sinne zu verstehen.

Doch Traum: Traum von Leben, Traum vom Leben, lebendiger Traum von der Möglichkeit zu leben mit dem Angebot: Liebe. Alternative Leben bei K. ist die Liebe.

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Zeichnungen von verschlüsselter Transparenz. Sichtbare, fast körperliche Akkuratesse des Strichs vergeht in der Musik dieser Bilder – oder vielmehr: geht in ihr auf. Ich möchte auch eine Landschaft finden, in der dies entstehen muß. Ich finde sie nicht. Aber ich habe doch gefunden: menschliche Landschaft und die zart-harte Tiefe dessen, was wir – wenn überhaupt – Seele zu nennen versucht bleiben. Eine Ahnung davon mindestens —

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Taumel von Worten: ahnen, suchen, vielleicht finden, vielleicht nicht, nie finden, doch gefunden haben, haben wollen, besitzen, nicht haben können, nicht fähig sein, aufnehmen – leben, spüren, erleben, empfinden, nachvollziehen, denken, grübeln, lachen, weinen, verfluchen, anbeten – leben, halten, festhalten, wegnehmen, versuchen, fassen, erfassen, versuchen zu erfassen, dasein, hiersein, nahsein, sehr-, ganz nahsein – leben, flüstern, sprechen, schreien, rufen, sagen, streiten, versprechen, singen – leben, gehen, liegen, weglaufen, kommen, tanzen, taumeln, steigen, wieder halten, bleiben, umarmen, festhalten – leben, lieben – leben.

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„Leben ist Schönheit – immer” (?!) Deutlicher: Leben = Schönheit,

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„Man trennt sich sehr schwer von den Blättern – aber ich kann Neues machen, ich bin voll davon!” Beneidenswert ebenso diese ungeheure Produktivität (in verschiedenen Techniken). Produktivität in dieser auch gewählten Zurückgezogenheit. Die Einsamkeit hingegen hat er nicht gesucht: „Mich nicht bewegen können, das ist das schlimmste!”

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Was also ist’s? — Daß einer solch lebendige Zärtlichkeit in Bilder bringen kann! Sinnlich-erregendes Gewitter, verhaltene Flüchtigkeit wie schwebend-vibrierende Schönheit eines Augenblicks, Suche nach Erkenntnis, Wissen wie ungestillte Sehnsucht … wonach? Bilder, die gelebt werden müssen, die zwingen zu leben. Botschaft: Bekenntnis zum Leben. Ist das alles? – Ist das noch zuwenig?

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Manchmal liebe ich die Gedichte fast mehr: Geschichten, Begegnungen, Erfahrungen, Fragen eines Betroffenen – „Spielraum fürZweifel”. Heiter mit einem Hauch von Tristesse, traurig in ihrem bitter-ironischen Humor. Vorlese-Gedichte. Ist es wahr, daß solche Worte erst später gefunden werden können? Ach, armer Catull und Samoa ist weit —

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Unter’m Dach, eine wie sich erwies nicht ungefährliche Holztreppe hoch, das Atelier: Frühsommer, das Dach heizt Schwüle, blauer Landhimmel durch schmale Fenster, grüne Wildheit des Gartens, das alte Haus und Ann, betörend-junge Zierlichkeit, trügerische Ruhe.

Eine Ahnung — Fast-Frieden in der Begegnung, doch unruhiger verläßt du Haus und Bewohner. Wiederkommen.

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Wiederkommen – auch dieser Zeichnungen wegen. „Das is’n schönes Blättel?!”

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Viele schwatzen darüber. Aber nicht in der Nacktheit eines Hinterns begründet sich die ungestüme Erotik dieser Zeichnungen —

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Von der Farbe haben wir nicht gesprochen, von der klassischen Schönheit, die dieses Grau bestimmt. Wer erkennt nicht alle Farben darin wieder? Und mehr noch: Nennen wir es also – ich habe es so genannt – das sinnliche Grau.

Mai/ Juni‚ 81

(Schneider)

Briefe – Erinnerungen von GK

Erinnerungen von GK
Anmerkungen: Hier haben wir Erinnerungen von GK zusammengetragen – an Reisen zum Beispiel und an einige von all jenen, die er so sehr geliebt hat.
1997 reiste Gerhard Klampäckel zusammen mit seiner Frau Maria endlich doch noch in die heimatliche Südsee – auf die Insel Samoa, wo er am 15. September 1919 geboren worden war… Künstlerisches Ergebnis dieser weiten Reise sind sieben großformatige Malereien – zu bewundern im Bethanien-Krankenhaus Chemnitz auf der Chirurgischen Station. Hier haben die Arbeiten, im Besitz von Gerdi Mehlich, der jüngsten Tochter von Gerhard Klampäckel, noch zu Lebzeiten des Künstlers seinem Wunsch gemäß ihren schönen Platz gefunden. Zu dieser kleinen „Ausstellung” gehört auch der folgende kurze Samoa-Text, von GK 1997 zu seinen Bildern notiert:

„Die Reise nach Samoa in die ferne Südsee war eine weite Reise und der dreiwöchige Aufenthalt dort war spannend interessant. Kein Wunder – ein erstes Wiedersehen nach über sieben Jahrzehnten und dabei auf der Spurensuche nach dem Aufenthalt der Eltern während der Kolonialzeit (ehem. deutsche Kolonie).

Diese sieben Bilder hier habe ich nach meiner Rückkehr gemalt. Nach dem, was dort an wesentlichen visuellen und auch emotionalen Eindrücken auf mich wirkte. In der Hauptsache waren das die wunderbaren Inselbewohner, die Samoaner in ihrer natürlichen Freundlichkeit und auch ihrer natürlichen Schönheit. Wie sie ihren Alltag verbringen, wie sie wohnen und ihr Verhältnis zur ewig blühenden tropischen Insellandschaft. Vor allem aber zum Meer, das sie ja rings umgibt. Aus ihm holen sie den Fisch – es ist ihre Speisekammer. Zu verständlich, daß die guten Samoaner deshalb die Zugänge zu ihm – die Strände (die wir ja inzwischen fast weltweit als Touristen”eigentum” zu nutzen gewohnt sind, usw.), als ihr Eigentum sehen und auch vom Fremden erwarten (es gibt ohnehin noch nicht allzuviele davon) daß er dies respektiert. So haben sie sich ihre Meeresufer untereinander in Familien- und Dorfgemeinschaften aufgeteilt. Und der verständnisvolle Fremde bittet sie um Erlaubnis evtl. In Form von Geschenken oder echtem Obolus, ihr Eigentum betreten zu dürfen. Also das schöne Samoaland ist – dank sei den Göttern – bis dato überhaupt noch kein Touristenziel im großen Stil. Dazu liegt dieses Paradies auch viel zu weit draußen im großen Pacific. Bislang wird die Insel vornehmlich besucht von Leuten aus Australien, Neuseeland, den USA um für kurze Zeit die Entfernung zu genießen.

Die Samoa-Inseln bestehen politisch nach internationalen Vereinbarungen aus dem größeren West-Samoa, dem Ziel unseres Besuchs, das sind vor allem die zwei Hauptinseln Upolu und Savaii, eine parlamentarische Republik, weitgehend unabhängig und Amerikanisch Samoa, freundschaftlich geprägt und unterstützt von den USA.

Und nun was malerisch vor allem von Interesse für mich war: Die ganze schöne Insel besteht meinen Augen nach aus den Farben Schwarz – das ist das Lavagestein (Samoa wurde einmal aus dem Meeresgrund an die Oberluft befördert durch Eruption), phantastisch Grünbunt, das ist alles was da wächst und Milchkaffeebraun, das ist die Sammethautfarbe der barfüßigen Inselleute mit Abstufung zum Tiefbraun vermischt mit einigen tropfen Tiefgrün ihrer Augen und Tiefblau von ihrem Haar. Diese tiefgrüne und tiefblaue Beigabe muß wohl von Diamanten stammen, die hochoben in den Kronen der Kokospalmen und in der Meeresbrandung draußen vor den Korallenriffen wachsen. Das alles läßt natürlich das Malerherz jubeln!

Es ist auch das Ornament, von Samoanern erdacht und geschaffen zur gestaltung ihrer geflochtenen Matten (Tapas), Kleidungsstücke, Schmucksachen, das mich dann wieder zur Bildgestaltung anregte.

Das vorläufige Ergebnis liegt nun hier auf Papier gemalt vor.”

1990 – nach der ersten „weiten” Reise, die GK und seine Familie auf eine der kanarischen Inseln, nach Teneriffa führte, notierte er:

„die Schönen Tage auf Tenerife! – ach, daß alles so schnell vergehen muß – eine Sch….”

Ich habe einen kostbaren Berg von Briefen, die ich von Gerhard Klampäckel erhalten habe – während unserer Zeit des sozusagen dienstlichen Bekanntseins, miteinander Arbeitens (an Texten für die Zeitung und für Kataloge) und aus unserer Zeit des sozusagen wirklichen Zusammenlebens – das war seit dem Sommer 1986, und der 7. März 1998 hat auch für mich nichts an diesem Zusammensein verändert. So ist das nun eben. Ich lese zum Beispiel diese vielen, vielen „Zettel-Briefe”, und ich denke: so viele Liebesbriefe hat sicher nicht so schnell eine Frau von ihrem Mann erhalten (der noch dazu schließlich und endlich sogar noch ihr Ehemann geworden ist und trotzdem weiter solche Briefe geschrieben hat – daran könntet Ihr Euch zum Beispiel ein Beispiel nehmen – GK würde das übrigens gut gefallen….

Undatiert, aber sicher nach der Wende:

Liebste Maria, wir können sehr glücklich sein – genug Platz für 3, Spiegel im Feuer, Honecker weg, Erdbeeren (die eßbaren und die kostbaren) in Hülle und Fülle, schöne gemütliche Liegestätten. Ich hab Euch + Ihr habt mich – wenig money, dafür aber viel Spaß an der Freud – was wollen wir noch mehr?!! Ich steh gleich wieder zur Verfügung. Denn ich liebe Dich. P.S. Nicht verzagen, Gerh. fragen.

Undatierter Extra-Zettel („Erziehungs-Märchen” – einer von uns hatte wohl was falsch gemacht…):

Es war einmal ein Kleines Männlein, das hieß Rot Käppchen, das wollte parout nicht lernen, wie man Milchtüten richtig öffnet, damit die Fettarme nicht so obenranschwabbelt, wenn man sie ausgießen möchte. Dafür wurde es drei lange Tage und drei lange Nächte eingesperrt in eine dunkle finestere Jeanshose. Nach dieser Zeit, da es wieder das hehre Licht der Sonne genießen durfte, wurde es gefragt ob es nun wüßte, wie man eine fettarme Milchtüte richtig öffne, damit der Inhalt nicht immer so herumschwabbere beim Ausgießen. Ja, sagte da das nach den dreien Tagen und den dreien Nächten so ganz heruntergekommene Rot Käpplein: man schnibbelt nur das kleine Nibbeleckchen ab – oben. Ganz wenig nur, damit sich die Tüte beim Ausgießen nicht zu hurtig entleert und damit man sie so dann auch, wenn das abgeschnibbelte Nibbeleckchen hochgebogen ist wieder – überallhin bewegen und tragen kann ohne daß irgendwas herum- und raus schwabbelt dabei. Ja, sagte dann die kluge Mami, so ist’s schon recht und so darfst Du itzt dreien lange schöne Tage und dreien noch längere schöne Nächte bei der Mami mit im Bette schlafen, Daraufhin bekam das Rot Käpplein einen noch röteren Kopf und freute sich.

25.7.1991

Meine liebe, liebe Maria. Nun bist Du wieder away den ganzen schönen Tag. Und ich gammle in Hdorf dahin. Wenn wenigstens der Draht zu Dir ok wäre. So warte ich wieder auf die Telefonheinis. Aber wie schön wärs wenn Du am Abend raus kämst. Wir könnten dann anschließend zum Martin D. fahren. Sollten die Telefonleute bald durch sein werde ich früher kommen. So schade um jede Stunde, die wir nicht zusammen verbringen. Muß noch zur Oma gucken gehen, dann verschwinde ich in Richtung City. Komme doch heute abend schnell, ich warte so auf Dich!! In Liebe Dein Gerh.

29.8.1991

Meine liebste Maria, Ich mache mich jetzt (9.20) auf den Weg, werde dann irgendwann in Glauchau landen. Deine lb. Grüße bestellen und den Rest des Tages noch bißchen mit meiner Mumi und meinem Bruder verbringen. Aber dann doch so geschwind wie möglich wieder zurückkehren ins Nest am Reinecker-Damm. Bis dahin, so hoffe ich, denkt Ihr (vor allem Du!) lieb an mich – so wie ich das auch tue. (In freier Verwendung der Gemeindeverordnung: Dieser Weg ist kein Weg und wer es trotzdem tut… usw.) Also. So lieb ich Dich alle Tage, besonders aber heute. Dein Gerh.

30.9.1991

Es gibt nichts Schöneres, als früh Deine liebe Post zu finden und damit zu wissen, daß wir uns lieb haben! Till, das Bärenkind, beteiligt sich schon mit an der morgendlichen Korrespondenz, wie schön. Meine liebste Maria, auch Du machst mich glücklich, da ich weiß, daß du auf mich wartest! Abends + immer. Das ist soviel, daß unsere kleinen Sorgen (Sörgelchen) eigentlich gar keine sein brauchten. (….) In Liebe Dein Gerh.

Brief aus der Kur:

16.5.92

Meine liebste Maria, mein Lieber Till! Statt zu telefonieren, schreibe ich mal. Der Sonnabend heut ist zu Ende, es ist Schlafenszeit für mich, 21.30. Gleich roll ich mich zusammen. Ich war natürlich heute nicht mit von der Buspartie in die Rhön. Zu langweilig so was. Bin wieder „barbsch” und die Kopfhörer umgeschnallt durch den Wald gestapft. Muskelkater in den Waden! Die Hauptsache, ich kireg die Zeit rum. Ich denke immer nur an Euch – denn ohne Euch ist alles nichts. Meine Maria, Du fehlst mir ungeheuerlich. Was fang ich bloß an ohne Dich! Überall und bei allem ABER bist Du dabei und überall sehe ich nur Dich! Du magst das nur für die Schwüre eines in dieser Wildnis Zurückgelassenen halten. Es ist mehr!: Ich liebe Dich eben so sehr und so geht es einem dann, wenn man so weit weg von der Liebe ist. Nimms wie Dus willst aber mir ggeht’sdiesbezüglich eben saudreckig. Jaja. Und ich sehen den Dienstag herbei, den Tag der Heimfahrt. So, daß wir nämlich wieder zu Dritt am Wackeltisch sitzen können und gemeinsam unser Konsumkraftmabrot essen. Machst Du an dem Abend was Schönes und noch mehr? Warte auf mich, Maria. Hast Du Dir die Bluse gekauft, eine Sommerbluse? Na dann. In Liebe Euer Gerh.

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